Historische Bodenmühle

… eine der ersten Handelsmühlen in der Region …
gelegen in der Nähe der geologisch interessanten Bodenmühlwand

Mühlengeschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Anwesen im Jahr 1500. Damals gehörte es Heinz Mulner. 1701 ist die Bodenmühle unter der Familie Frank eingetragen, 1857 unter Lindner und 1906 unter Schieder. Zu ihrem letzten Müllermeister kam die Bodenmühle auf Umwegen: Am 8. September 1909 wurde Karl Knörl in Bamberg geboren. Sein Vater fiel im Ersten Weltkrieg, seine Mutter starb zwei Jahre später und hinterließ den Sohn und zwei Mädchen als Vollwaisen. Karl kam zu seiner Tante Margarete Schieder in die Bodenmühle. Da sie kinderlos war, erbte er das Anwesen und wurde Müller. Ein paar Jahre später legte er seine Meisterprüfung ab. Sohn Karl Knörl junior erlernte ebenfalls das Müllerhandwerk und führte den Betrieb nach dem Tod des Vaters im Jahr 1953 fort bis die Mühle Anfang der 1960er Jahre stillgelegt wurde.

Korn

Die Bodenmühle war eine traditionelle Getreidemühle, ein Sägewerk gab es nicht. „Wir haben Weizen und Roggen gemahlen sowie Futtergetreide geschrotet“ erinnert sich Karl Knörl junior. Die Mühle war mit zwei Walzenstühlen und einem Mahlstein ausgestattet. Die Mehle, die die Bodenmühle produzierte, entsprachen den heute bekannten Typen, etwa 405 für feine Backwaren oder 550 für Brötchen. Die Bodenmühle war ein Ausbildungsbetrieb. Karl Knörl war im Prüfungsausschuss der Müllerinnung, welcher den Lehrlingen die Gehilfenprüfung abnahm.

Von der Lohn- zur Handelsmüllerei

Ursprünglich lieferten die Landwirte ihr Getreide zum Müller und ließen es dort gegen Bezahlung mahlen. Karl Knörl erkannte die Möglichkeiten der Handelsmüllerei. Er begann, den Landwirten das Getreide abzukaufen und verkaufte das Mehl an die Bäcker weiter. 1947 erneuerte er Teile der Mühle und begann mehr Handelsmüllerei zu betreiben. Dazu gehörte auch ein Silo, in dem man 400 Doppelzentner lagern konnte. Während der Währungsreform 1948 investierte er das Anfangskapital der gesamten Familie in amerikanischen Weizen, aus dem man besseres Qualitätsmehl erzeugen konnte. 1953 verstarb Karl Knörl unerwartet im Alter von 43 Jahren. Tochter Gertraud war damals acht Jahre alt, Sohn Karl war 15 Jahre alt und noch in der Ausbildung zum Müller.

Strom und Wassertechnik

Die Mühle wurde ursprünglich durch ein oberschlächtiges Wasserrad mit 3,10 Metern Durchmesser angetrieben. 1929 wurde eine Turbine eingebaut, die die gesamte Mühle sowie ein Stromaggregat antrieb. Letzteres versorgte Wohnhaus, Stall und Mühle mit Strom. In den 1960er Jahren wurde das Gebäude an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Heute ist die Turbine außer Betrieb. Im Wehr wurde mit Steinen eine Fischtreppe angelegt. Zur Mühle gehört auf zwei Kilometern im Roten Main auch ein Fischereirecht, das heute verpachtet ist. Für Trinkwasser gab es einen eigenen Brunnen.

Wohnhaus und Landwirtschaft

Die Müllerstochter Getraud Wesp ist heute 76 Jahre alt. 1964 heiratete sie den Zimmermann Adolf Wesp und übernahm mit ihm zusammen den landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb, der ebenfalls zur Mühle gehörte. Sie hatten vier Söhne, von denen heute zwei mit ihren Familien im geräumigen Wohnhaus leben. Ein wenig Landwirtschaft mit Gänsen, Hühnern und Hochlandrindern wird bis heute noch betrieben. Die Familie bittet Wanderer sowie Rad- und Autofahrer beim Überqueren des Grundstücks Rücksicht auf Enkelkinder sowie freilaufende Bauernhoftiere zu nehmen.

Quellen: Gertraud Wesp und Bruder Karl Knörl, Archiv für Geschichte von Oberfranken, Band 75

Autorin: Dr. Adriane Lochner

Bodenmühlwand: Bayerisches Landesamt für Umwelt

Bilderleiste: Dr. Adriane Lochner

Bodenmühlwand

Eine 30 Meter hohe Wand aus Ablagerungen

Die “Rote Wand” oder auch “Bodenmühlwand”, die sich in der Nähe der Bodenmühle befindet, ist eine von wenigen natürlichen Gesteinsaufschlüssen im Mittleren Keuper Nordostbayerns. Zu sehen ist ein sogenannter Prallhang, also die Außenseite eines Flussbeckens. Dort ist die Flussgeschwindigkeit und somit auch die Abtragung sehr hoch. 30 Meter hoch und mehrere Millionen Jahre alt ist die Wand, die neben dem Roten Main empor ragt.

Weitere Informationen:  – Bayerisches Landesamt für Umwelt

Bodenmühle Bleistiftzeichnung
Bleistiftzeichnung von Wilhelm von Dietz

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Schautafel zur Bodenmühlwand

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